Monopol : Watchlist (german)
Watchlist: Aids-3d
Die Fotos, die das Künstlerduo Aids-3d auf seine Webseite gestellt
hat, sehen finster aus. Da sieht man Menschen in verrutschten
Latexkostümen, nackte Frauen mit bunten Leuchtstreifen auf dem
Körper, seltsame Masken mit leuchtenden Augen, tanzende Männer in
Stringunterwäsche in futuristisch dekorierten Clubs. Fetischkunst
trifft Gender-Aktivismus?
So etwas hat Katharina Sieverding auch gedacht, sagen Daniel Keller
und Nik Kosmas lachend – und war völlig falsch gewickelt. Vor drei
Jahren sind die beiden Aids-3d-Mitglieder von der School of the Art
Institute of Chicago an die Universität der Künste Berlin gewechselt
und landeten in Sieverdings Klasse: „Wir waren die hyperaktiven Kids
aus Amerika, kamen ständig mit neuen Sachen, während die andern
noch Bier tranken“, erzählt Nik. Jetzt haben sie die Uni geschmissen,
und Daniel ist mit seinen 22 Jahren der jüngste Künstler in der
„Younger Than Jesus“-Show.
Was die beiden vorantreibt, ist die Zukunft selbst: „Technologie ist
das wichtigste Thema heute“, sagt Nik Kosmas. Künstliche Intelligenz,
Androiden, Computer, die die Macht übernehmen, Theorien vom
bevorstehenden Wechsel der Erdpole: Über so etwas können die
beiden stundenlang reden. Künstlerisch setzen sie das in
Performances voller Technomystik um. Sie bauen postapokalyptische
Installationen, in denen Computer wie archäologische Fundstücke vor
sich hin blinken, und biegen clevere Leuchtschriften aus dem billigen
Neondraht EL-Wire. Ironisch lassen sie das Bluetooth-Zeichen in
Flammen aufgehen, als sei es das Symbol eines neuen Ku-Klux-Klan.
Und im New Museum werden sie eine altarähnliche Skulptur
aufbauen, flankiert von brennenden Fackeln, auf der die
geheimnisvollen Buchstaben OMG blinken. Für 20-Jährige ist das
Rätsel keines: OMG steht für „Oh my God“ in der SMS-Sprache der
Teenies.
By Elke Buhr
From monopol-magazin.com,Nr. 4/2009 April